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Der Landtagsabgeordnete Marcel Schwehr und der Ortsvorsitzende Peter Sommer konnten im Denzlinger „Belvedere“ den parlamentarischen Geschäftsführer der Landtagsfraktion Volker Schebesta, zu einem Meinungsaustausch über die aktuelle Bildungspolitik begrüßen.
Volker Schebesta, der auch Mitglied des Schulausschusses ist, informierte die Zuhörer über die grün-roten Planungen und Änderungen im Bereich der schulischen Bildung. Während sich das Baden-Württembergische Bildungssystem bisher durch Top-Plazierungen bei Bildungsvergleichen zwischen den Bundesländern und durch eine europaweit niedrige Jugendarbeitslosigkeit auszeichnete, nimmt die neue Regierungen Änderungen vor, die eine deutliche Verminderung der dieser hohen Qualität befürchten lassen. Anhaltspunkte sind unter anderem die freie Wahl des Zeitpunktes der Hauptschulabschlussprüfung in den Werkrealschulen oder die Einführung eines parallelen G9 an den Gymnasien, wobei letzteres offenbar selbst in der grün-roten Koalition umstritten war.
Die Diskussionsteilnehmer sahen die neue Bildungspolitik mit vielen Fragezeichen verbunden. Wie wird man z. B. zu den Haupt- und Werkrealschulen stehen, die durch den Wegfall der verbindlichen Grundschulbildungsempfehlung deutlich an Schülerzahlen verlieren werden? Die neue Landesregierung vertritt zwar den Standpunkt, dass sich an den Übergangsquoten nicht viel ändern wird, aber wieso drängten die Eltern den sonst bei der bisherigen Regelung darauf keine Werkrealschulempfehlung zu erhalten? Daher ist es wahrscheinlich, dass die Kinder erst einmal an der Realschule oder sogar am Gymnasium angemeldet werden, auch wenn die Empfehlungen anders lauteten. Auf Nachfrage, wie die Schule dann die Plätze vergibt, wenn die Anmeldungen die freien Plätze an den Gymnasien übersteigen, verwies Schebesta auf das Losverfahren in Berlin. Problematisch wurde auch gesehen, dass der eingeschlagene Weg mit G8 und Werkrealschulen von der neuen Regierung abgebrochen wird und die Schulen mit neuen „Versuchen“ belastet werden. Ein anwesender Schulleiter bedauerte, dass die eingesetzten Energien von Lehrern, Eltern und auch Schülern zum Gelingen der Werkrealschulen nun verpuffen.
Auch bezüglich der Einführung der Gemeinschaftsschule, die von der Kultusministerin angepriesen wurde, hatten die Diskussionsteilnehmer starke Bedenken. In der Auswahl der vorgesehenen Schulen sind fast nur Haupt- bzw. Werkrealschulen. Bedenklich sah man die Frist von nur einem halben Schuljahr, in dem die Lehrer die Fortbildungen besuchen sollen, um danach Schüler aller drei Stufen zu unterrichten. Für eine solch neue Pädagogik braucht man Jahre der Vorbereitung und Ausbildung der Lehrkräfte, um einen qualifizierten Unterricht zu gewährleisten. Bei nur 6 Monaten Vorbereitung kommen doch Zweifel auf, ob die Qualität dieser Schulen stimmen kann.
Fraglich ist auch von wo die Gymnasial- und Realschullehrer herkommen sollen. Eltern, deren Kinder eine Gymnasial- oder Realschulempfehlung haben, müssen also damit rechnen, dass ihre Kinder zunächst von den Werkrealschullehrern unterrichtet werden. Ob das eine Motivation für Eltern ist, sich an einer Gemeinschaftsschule anzumelden, bleibt abzuwarten.
Abschließend wurde auch das Verhältnis von Kultusminsterin Warminski-Leitheußer zu ihren Mitarbeitern im Kultusministerium angesprochen, das keineswegs von Führungsqualität zeuge und das vorhandene Know-How im Ministerium ungenutzt lässt. |